Konzept & Umsetzung


Timeline

  • (2013 Die Idee entsteht)
  • (2015 Spread out)
  • 2016 Q4, 1. Gründungstreffen
  • 2017 FLOW Name und 1. Homepage
  • 2017 Mitte, erste Interessenten stoßen dazu
  • 2017 FLOW Stammtisch in München
  • 2017 Ende, Einzug in unsere 3er-Kleinstgemeinschaft
  • 2017 1. Immobilie besichtigt
  • 2018 regelmäßige Wochenendtreffen
  • 2018 Mitte, 1. Wir Prozess
  • 2019 Mitte, 2. Wir Prozess
  • 2019 2. Immobilie besichtigt, in Verhandlung
  • 2019 (JETZT) Finanzberatung und Gesellschaftsgründung in Arbeit
  • 2019 (JETZT) Fokus Immobiliensuche
  • 2019 Ende, 3. Wir Prozess
  • 2020? Gründung der Genossenschaft
  • 2020? Kauf der Immobilie
  • 2020? Einzug
  • 2020? Jetzt geht die Arbeit erst richtig los ;)

Um die Gemeinschaftsidee, wie wir sie in unserer Vision beschreiben umzusetzen, arbeiten wir sowohl als Gründungsgruppe, als auch gemeinsam mit allen Interessierten an der Ausarbeitung und Gestaltung der verschiedenen dafür notwendigen Konzepte. Einige wichtige Punkte haben sich dabei herauskristallisiert.

Finanzierung

Ein konkreter Finanzierungsplan richtet sich nach der jeweiligen Immobilie. Unabhängig davon rechnen wir mit einer Einlage von 50.000€ pro Genossenschaftsanteil. Beispielhaft rechnen wir hier zwei mögliche Immobilien durch:

Immobilie 1:

Zunächst rechnen wir mit einer Immobilie, die bereits die meisten Anforderungen erfüllt und sich in einer sehr günstigen, ländlichen Region befindet:

  • Grundstück: 50.000qm à 3,50€ = 175.000€
  • Wohn- und Nutzfläche: 1.500qm à 1200,00€ = 1.800.000€

Also knapp 2.000.000€. Bei einer ortsüblichen Miete von angenommen 5€/qm ergibt sich eine verrechenbare Miete von 90.000€/Jahr. Bei der Bank bekäme man für diese Immobilie derzeit einen Kredit von ca, 1.160.000€ auf 30 Jahre. Damit fehlen grob 840.000€ zum Kaufpreis, was als Eigenkapital der Gesellschaft aufgebracht werden muss. Bei 30 Bewohner*innen entspräche das einer Einlage von 28.000€ und einer monatlichen Kreditbelastung über 30 Jahre von 6.000€ oder 200€ pro Person. Durch die Einlage von 50.000€ bleibt damit Spielraum für Sondertilgungen, Investitionen oder Projekte.

Immobilie 2:

Eine andere Möglichkeit bietet eine weit kleinere Immobilie, die allerdings Baulandreserven aufweist. Diesmal in einer etwas teureren, ländlichen Region:

1. Schritt:
  • Grundstück: 50.000qm à 5€ = 250.000€
  • Bauland: 2.000qm à 250€ = 500.000€

Wohn- Nutzfläche aktuell: 750qm à 1.500€ = 1.125.000€

Damit kommen wir auf ca. 1.875.000€. Bei einer ortsüblichen Miete von 12€/qm ergibt sich eine verrechenbare Miete von 108.000€/Jahr. Bei der Bank bekäme man für diese Immobilie einen Kredit von ca. 1.400.000€ auf 30 Jahre. Damit fehlen 375.000€ zum Kaufpreis, was als Eigenkapital durch die Genossenschaft aufgebracht werden muss. Bei 15 Bewohner*innen entspräche dies einer Einlage von 25.000€ und einer monatlichen Kreditbelastung über 30 Jahre von 7.200€ oder 480€ pro Person, womit bei unserer Einlage von 50.000€ weiterhin viel Spielraum bleibt.

2. Schritt:
  • Neubau: 750qm à 2.000€ = 1.500.000€

Bei gleicher Miete bekäme man für den Neubau wiederum einen Kredit von ca. 1.400.000€ auf 30 Jahre.

Legt man die hälfte der Einlage (25.000€) als Kreditfinanzierung zugrunde ergibt sich bei 15 weiteren Bewohner*innen ein weiteres Eigenkapital von 375.000€, damit beträgt die benötigte Kreditsumme 1.125.000€ bei einer monatlichen Belastung von ca 5.700€ oder 380€ pro Person.

Legt man die beiden Kredite um auf die gesamte Gemeinschaft ergibt sich für die nunmehr 30 Bewohner eine monatliche Kreditbelastung über 30 Jahre von ca. 12.900€ oder 430€ pro Person. Durch die Einlage von 50.000€ bleibt damit auch hier Spielraum für Sondertilgungen, Investitionen oder Projekte.

Bei einer Wohnfläche von durchschnittlich ca. 30qm/Person bleiben damit 600qm für Gemeinschafts- und Gewerbefläche.

Gründung mit weniger Mitgliedern zu Beginn

Wahrscheinlich werden nicht alle Einlagen, die als Eigenkapital zur Grundlage der obigen Rechnung dienen, zu Beginn bereits vorhanden sein, da wir damit rechnen, dass die Gründungsgruppe weniger Mitglieder umfasst als die später geplante Anzahl an Bewohner*innne.

Diese Zeit zu “überbrücken” ist eine der entscheidenden Aufgaben der Gründungsgruppe. Hierfür kann die Genossenschaft private Darlehen aufnehmen, anfängliche Tilgungsfreiheit mit der Bank vereinbaren oder Teile der Immobilie auf begrenzte Zeit vermieten.

Außerdem fördert die KfW Bank durch die Gesellschaftsform der Genossenschaft mit einem günstigen Darlehen den Erwerb von Genossenschaftsanteilen bis zu 50.000€.

Lebensgemeinschaft

Wir verstehen uns nicht als reine Nachbarschaft, sondern als Lebensgemeinschaft. Neben dem gemeinsamen Wohnen, wollen wir auch bei gemeinsamen Aktivitäten, Projekten und Gesprächsrunden zusammen Zeit verbringen. Dazu gehört auch, einen Raum zu schaffen, in dem Platz für die Gefühle, Ängste und Bedürfnisse jedes Einzelnen ist.

Wir wollen eine Atmosphäre, in der sich jeder angenommen und sicher fühlt. Nur dort kann ich mich dem anderen wirklich anvertrauen. Um das zu erreichen, üben wir uns in neuen Kommunikationsformen, wie z.B. Gewaltfreie Kommunikation, Gemeinschaftsbildungsprozesse, Forum oder Gesprächsrunden mit Redestab. Wir werden dabei als Gruppe von Menschen begleitet, die viel Erfahrung in dieser Form der Gruppenarbeit besitzen. So entstehen aus zunächst oberflächlichen Beziehungen nach und nach echte Offenheit, Berührbarkeit und Solidarität.

Für anstehende Entscheidungen, persönliche Anliegen, Konflikte, Schönes oder Trauriges treffen wir uns wöchentlich zu gemeinsamen Essen mit anschließendem Plenum. Daneben wird es natürlich ein breites Spektrum an gemeinschaftlichen Angeboten geben, z.B. Lagerfeuer, Tanzen, Essen, Musik, Kino, … . Hierbei wird die Individualität des Einzelnen gewahrt und geachtet. Die persönlichen Freiräume und die in Gemeinschaft verbrachte Zeit gestaltet jeder nach seinen Bedürfnissen.

Entscheidungskultur

Für uns ist wichtig, dass jede Entscheidung, die für die Gruppe relevant ist, von jedem Einzelnen mitgetragen wird (Konsens). Um zu solchen Entscheidungen zu kommen, bedarf es mehr als reiner Mehrheiten in Abstimmungen. Daher sind für uns Entscheidungen immer Prozesse, in denen die Thematik genau betrachtet wird. Es ist die Verantwortung der Einzelnen, in diesem Prozess genau zu prüfen, unter welchen Bedingungen sie das zu Entscheidende unterstützen können. Jeder wird gehört und mitgenommen, so dass diese Entscheidungen als etwas Eigenes erfahren werden. Ein erprobtes Hilfsmittel stellt für uns hier z.B. das systemische Konsensieren dar. Außerdem ist das Konzept des mehrstufigen Konsens eine geeignete Möglichkeit. Welche Formen letztlich für uns die Richtigen sind, erarbeiten wir gerade für uns.

Wohnen & Arbeiten

Wie im Finanzierungsbeispiel oben rechnen wir mit wenig individuellem Wohnraum (durchschnittlich 30qm pro Erwachsenem) und relativ viel Gemeinschaftsfläche. Diese soll mindestens eine große Gemeinschaftsküche (vegetarisch) mit Essens-/Aufenthaltsraum, eine Werkstatt, Platz für Gäste und Freund*innen und einen großen Seminar-/Versammlungsraum umfassen. Im Idealfall kommen hierzu z.B. verschiede Rückzugsecken, eine Turnhalle, ein gemeinsames “Kino”, eine Sauna, eine Bibliothek, ein Musikzimmer, eine Künstlerwerkstatt, ein Meditations-/Yogaraum.

Wir wünschen uns ein Nebeneinander verschiedener Wohnformen, je nach individuellen Ansprüchen und Bedürfnissen (z.B. WG, Singlehaushalt, Kleinfamilie, Baumhaus). Da sich Bedürfnisse über die Zeit verändern, wollen wir die Platzaufteilung gegebenenfalls im Konsens anpassen und ändern.

Neben Wohnraum und Gemeinschaftsfläche braucht es Raum für verschiedene gewerbliche Tätigkeiten (z.B. Praxis, Massageraum, Büro, Seminare, “Sonntagscafe”). Dabei ist es uns wichtig, dass der Kundenverkehr die privaten und gemeinschaftlichen Bereiche nicht stört.

Um die vielen anfallenden Aufgaben auf dem Gelände zu bewältigen, erklärt sich jeder bereit mindestens 5 Stunden pro Woche unentgeltlich für die Gemeinschaft zu arbeiten. Dazu kommen die Zeiten für Plenum, Gemeinschaftsprozesse, …

Wir wünschen uns außerdem ein solidarisches Miteinander in dem wir uns gegenseitig unterstützen, z.B. bei der Kinderbetreuung, Krankheit und dem Alt werden.

Trotz der anfallenden Arbeit soll dabei die Belastungsgrenze des Einzelnen auf keinen Fall missachtet werden.

Wir persönlich wollen in Zukunft in Teilzeit arbeiten, damit genügend Zeit für die Gemeinschaft übrig ist und wir nicht nur die nötigsten Arbeiten zusammen erledigen, sondern auch für all die schönen Dinge Zeit finden.

Geplante Projekte

Welche Projekte wir in der Gemeinschaft umsetzen können, hängt stark von der Immobilie ab. Einige Projekte sind uns jedoch so wichtig, dass deren Umsetzung gegeben sein muss.

Gartenbau

Zunächst werden in der Gründungszeit wohl in kleinem Stil Kräuter, Gemüse und Obst angebaut und verarbeitet. Wir hoffen, dass wir unter den Mitgliedern genügend Interesse finden, um dies im Lauf der Zeit auszuweiten, so dass ein Teil des Bedarfs der Gemeinschaft selbst erzeugt werden und ggf. auch ein kleiner Betrieb daraus entstehen kann. Biologischer Anbau, Permakultur-Aspekte und natürliche Wassereinsparung sind uns sehr wichtig.

Tierhaltung

Da wir unsere eigenen Hühner in die Gemeinschaft mitnehmen, wird es auf jeden Fall im kleinen Stil Tierhaltung geben. Auch hier hoffen wir, dass genug Interesse besteht, diese auszuweiten, allerdings stets mit Tierschutz und echter artgerechter, biologischer Haltung als Richtschnur. Die Tiere, die in der Gemeinschaft leben werden, sind vor allem Freund und dann erst Helfer.

Veranstaltungen und Seminare

Da wir eine Bereicherung für die Region bieten wollen, in der wir leben, ist es uns wichtig, dass es möglich ist, Veranstaltungen und Seminare abzuhalten. Wir wünschen uns ein lebendiges Programm an sportlichen (Yoga, Kendo, Wandern…), sozialen (Seminare, Singen, Tanzen, …), kulturellen (kleine Konzerte, Theater, Lesungen …), psychologischen (Gruppen, Vorträge, Seminare, ..) und spirituellen (Meditation, Yoga, Chanten … ) Angeboten, die den Ort an dem wir leben auch nach Außen attraktiv machen und einen Beitrag für die Region leisten. Gleichzeitig bieten wir damit uns selbst als Gruppe ein Programm, an dem wir teilhaben und durch das wir wachsen können.

Umweltschutz

Wir verpflichten uns als Gemeinschaft, Umweltschutz wirklich ernst zu nehmen. Dies gilt sowohl für das Verhalten jeder einzelnen Person als auch für das Leben als Gruppe. Wir wollen in Veranstaltungen aufklären, wie Umweltschutz gut umsetzbar ist. Wir wollen möglichst rasch von fossiler Energieversorgung unabhängig werden, werden bei Neubauten und Sanierungen nachhaltig und ökologisch vorgehen, Autofahrten minimieren und auf E-Mobilität umrüsten. Die Liste der Möglichkeiten ist lang und vieles davon gelingt als Gruppe deutlich leichter, da Investitionen oftmals als Einzelhaushalt nicht umzusetzen sind. Hier sehen wir eine große Chance für die Gemeinschaft auch Vorreiter und Ideengeber für die Umgebung zu werden.

Genossenschaft

Wir haben uns für die Genossenschaft als Gesellschaftsform entschieden. Durch diese Form lässt sich sowohl das Risiko der einzelnen Mitglieder, als auch des Gesamtprojekts minimieren. Da die Immobilie selbst Eigentum der Genossenschaft sein wird, wird die Gemeinschaft nicht durch den Ausstieg einzelner gefährdet, die dann ggf. schnell ihren Anteil an der Immobilie verkaufen wollen. Es wird also nur der Genossenschaftsbeitrag nach Ablauf einer festgelegten Sperrfrist zurückerstattet. Außerdem ist das Stimmrecht unabhängig vom eingebrachten Kapital, wodurch wir zumindest innerhalb der Gemeinschaft soziale Ungleichheiten auflösen können. Für die Mitglieder bedeutet die Genossenschaft, dass sowohl Mitgliedschaft als auch Ausstieg aus dem Projekt mit minimalen finanziellen Risiken verbunden ist. Auch arbeiten Genossenschaften nicht gewinnorientiert, so dass die Gemeinschaft außer den Mitgliedern keinen Anteilseignern verpflichtet ist.

Derzeit erarbeiten wir mit einem externen Berater die Gründungssatzung, welche später jederzeit im Konsens unkompliziert den Bedingungen der Immobilie angepasst werden kann. Solche Änderungen sind, anders als bei anderen Formen, Dank eines untertzützenden Genossenschaftsverbands unbürokratisch und unkompliziert.

Das lebenslange Wohnrecht, welches man durch die Mitgliedschaft garantiert bekommt und welches nur in Ausnahmefällen beschnitten werden kann, schützt jedes einzelne Mitglied in höchstem Maße.